Michael Bornkessel, 16.03.2010

Bildungspolitik nach PISA

Kritiker, die überfüllte Klassen, überforderte Lehrkräfte, die unzureichende finanzielle Ausstattung der Schulen oder das sozial undurchlässige dreigliedrige Schulsystem anmahnten und Reformen forderten, stießen bei den politischen Entscheidungsträgern in der Vergangenheit meist auf taube Ohren.

Reformen in dem Politikbereich, in dem die Länder das alleinige Sagen haben, standen nicht zur Debatte. Begünstigt wurde der langjährige bildungspolitische Stillstand auch durch den Umstand, dass sich Deutschland lange Zeit nicht an internationalen Bildungsstudien beteiligte. So konnte jedes Bundesland sein eigenes Bildungssüppchen kochen und die Defizite blieben weitgehend im Verborgenen. Doch die Ergebnisse einer international durchgeführten Bildungsstudie, die inzwischen zum Synonym für die deutsche Bildungsmisere der letzten Jahre avanciert ist, hat die Kultusministerien zum Handeln gezwungen.


Ein erster Warnschuss: TIMMS

Defizite werden offenbart

Wie sich das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich tatsächlich schlägt, das war dem Fachpublikum nach der Veröffentlichung der Resultate der TIMMS-Ergebnisse ("Trends in International Mathematics and Science Study") im Jahr 1997 weitgehend klar. Auch wenn sich die vergleichende Schulleistungsuntersuchung auf Mathematik- und Naturwissenschaftsleistungen in der Grundschule, in der Sekundarstufe I und in der Sekundarstufe II beschränkte.

Deutschland landete im Mittelfeld

TIMMS zeigte nämlich, dass die deutschen Schülerinnen und Schüler der Konkurrenz aus dem Ausland nicht gewachsen waren und in vielen untersuchten Bereichen bestenfalls einen Platz im Mittelfeld belegen konnten. Bei der mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundbildung lagen die Leistungen der deutschen Schülerinnen und Schüler in der Gruppe vergleichbarer Länder sogar nur im unteren Bereich.

Öffentlichkeit war wenig interessiert

Während TIMMS unter Pädagogen ausgiebig diskutiert wurde, und man überlegte, welche Schlussfolgerungen für Schule und Lehrkräfte aus der Pleite gezogen werden sollten, interessierte sich die breite Öffentlichkeit nur wenig für die Ergebnisse. Doch die Politik nahm nach TIMMS erste zaghafte Reformschritte in Angriff. So vereinbarten die Kultusminister der Bundesländer im Sommer 1997, dass die Länder regelmäßige Vergleichsuntersuchungen zum Leistungsstand der Schulen durchführen sollen – damit fiel der Startschuss für den Aufbau eines system monitoring in der Bundesrepublik.

Der PISA-Schock

Ernüchternde Ergebnisse

Den Reformbedarf des deutschen Bildungs- beziehungsweise Schulsystems bestätigte wenige Jahre später die erste PISA-Studie ("Programme for International Student Assessment" – "Programm zur internationalen Schülerbewertung"), deren Ergebnisse die OECD im Dezember 2001 veröffentlicht hat. Hier erzielten die deutschen Schülerinnen und Schüler lediglich unterdurchschnittliche Ergebnisse und landeten nur im unteren Leistungsdrittel.

KMK: Sieben "zentrale Handlungsfelder"

Die Kultusministerkonferenz definierte bereits bei Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse sieben zentrale Handlungsfelder, darunter die Qualitätssicherung oder die Förderung lernschwacher Schülerinnen und Schüler sowie die Einführung von Bildungsstandards, Vergleichsarbeiten und zentralen Abschlussprüfungen. Auch die Personal- und Organisationsentwicklung gehörte dazu: d.h. die Verbesserung der Professionalität der Lehrertätigkeit im Rahmen eines umfassend angelegten Programms der Personal- und Organisationsentwicklung, das eine praxisnahe Erstausbildung ebenso einschließt wie die Verpflichtung zur Weiterbildung.

Lehrerverband: Paketlösungen, die alle in die Verantwortung nehmen

Der Deutsche Lehrerverband (DL) war von den Ergebnissen nicht besonders überrascht, vielmehr spiele sich seit einigen Jahren in den Schulen genau das ab, was PISA bestätigt habe. "Man hat diese Beobachtungen zu lange als Larmoyanz der Lehrerschaft abgetan und von den Lehrern alleine Abhilfe erwartet", kritisierte DL-Präsident Josef Kraus und forderte "Paketlösungen zu entwickeln, die gleichermaßen Gesellschaft, Politik, Medien, Eltern, Lehrer und Schüler in die Verantwortung nehmen."

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Veränderungen
Nach dem schlechten Abschneiden des deutschen Schulsystems entwickelte sich eine kontroverse Diskussion über die bildungspolitische Zukunft Deutschlands.

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Weiterführende Links
Falls Sie sich näher mit den erwähnten Bildungsstudien beschäftigen möchten, haben wir hier für Sie die entsprechenden Links gesammelt.

 
 
 
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