Petra Wonsowitz, 16.03.2010

Burn-out: Risikogruppe Lehrerinnen und Lehrer

Überlastung, Stress, Erschöpfungszustände – unter diesen Beschwerden, die allgemein als typische Managerkrankheit gelten, leiden heute ungefähr ein Viertel aller Lehrkräfte. Macht die Arbeit in der Schule krank und wenn ja, welche Ursachen sind dafür verantwortlich?

Lange Urlaubszeit, vormittags arbeiten und nachmittags frei – der Lehrerberuf gilt in den Augen Vieler immer noch als der ideale Job. Dass dem nicht so ist, sondern immer häufiger genau das Gegenteil der Fall ist, belegen seit einigen Jahren verschiedene Studien zum Berufsalltag von Lehrkräften. Grund für die Untersuchungen ist die hohe Zahl an Lehrerinnen und Lehrern, die aus Krankheitsgründen ihren Dienst quittieren.


Das Burn-out–Syndrom

Definition und Diagnose

Lehrkräfte, die krankheitsbedingt vorzeitig aus dem Schuldienst ausscheiden, leiden häufig unter psychischen und physischen Beschwerden wie Ängsten, Depressionen, Herz-Kreislauferkrankungen, chronischen Schmerzen und Tinnitus. Alles Symptomen, die allgemein unter dem Begriff "Burn-out" (wörtlich übersetzt: "ausbrennen") zusammengefasst werden, was aber keine anerkannte medizinische Diagnose darstellt, wie Professor Dr. Andreas Hillert in seinen Untersuchungen erläutert.

Hohe berufliche Belastungen

"Gleichwohl beschreibt der Begriff prägnant die Situation vieler Menschen, die unter nicht zu bewältigenden, vornehmlich beruflichen Belastungen psychisch beziehungsweise psychosomatisch erkranken", so der Mediziner. Hillert ist Chefarzt an der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Roseneck, die sich auf das Burn-out-Syndrom bei Lehrerinnen und Lehrern spezialisiert hat, und Autor zahlreicher Abhandlungen zum Thema.

Hohe Risikogruppe bei den Lehrkräften

Studie vergleicht Berufsalltag

"Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen weisen Lehrer mit Abstand die problematischste Situation und die größten psychischen Belastungen auf", sagt der Potsdamer Psychologieprofessor Uwe Schaarschmidt, der in einer bundesweit angelegten Studie die größten Belastungsfaktoren für Lehrkräfte in Deutschland bei mehr als 20.000 Lehrerinnen und Lehrer ermittelte und ihren Berufsalltag mit dem anderer Berufe verglich.

Verschiedene "Bewältigungstypen"

Mit dem von ihm entwickelten AVEM-Fragebogen (Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster) können Arbeitsengagement, Widerstandsfähigkeit gegenüber beruflichen Belastungen und arbeits- und lebensbezogene Emotionen abgebildet und "Bewältigungstypen" identifiziert werden. Mit 60 Prozent bilden demnach Lehrkräfte die größte Burn-out-Risikogruppe. Eine ähnlich große Gruppe gibt es mit 55 Prozent nur bei den Mitarbeitern von Sozialämtern, belegt die Untersuchung.

Falsche Studiums – und Berufseinschätzung

Schaarschmidt fand außerdem heraus, dass viele Lehramtsstudierende zu Beginn ihres Studiums glaubten, Lehrer/in sei ein einfacher Beruf. Darum drängten auch "Ängstliche ohne großen Ehrgeiz in den Job." Viele von ihnen verzweifeln dann, laut Schaarschmidt, schon im Referendariat. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Pädagogikprofessor Udo Rauin von der Goethe-Universität Frankfurt: 60 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer, die später an Burn-out erkrankten, sind seiner Meinung nach schon im Studium den Anforderungen nicht gewachsen. Bereits nach den ersten vier Berufsjahren fühle sich jeder zehnte Lehrer überfordert. Rauin begleitete über 1.000 Personen vom Lehramtsstudium bis zum Beruf und befragte sie dabei mehrmals zu Studienwahl und beruflicher Eignung.

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Widersprüchliche Positionen
Unter den Wissenschaftlern gibt es keine einheitliche Meinung darüber, welche Lehrkräfte besonders häufig unter Burn-out leiden.

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Weiterführende Links
Hier finden Sie Links zu den im Artikel aufgeführten Untersuchungen sowie weiteren Informationen zum Thema Burn-out.

 
 
 
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