Thomas Bollwerk, 16.03.2010

Hessen: Konzept für neue Mittelschule vorgestellt

Das Konzept für eine neue "Mittelschule" führt Haupt- und Realschulen unter einem Dach zusammen. Handelt es sich dabei um eine richtungsweisende Reform oder einen "Etikettenschwindel", wie die Opposition behauptet?

Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) sehen in ihrem Konzept eine Antwort auf die Krise der Hauptschule und folgen einem bundesweiten Trend zum zweigliedrigen Schulsystem. In der Mittelschule sollen die Klassen 5 bis 7 gemeinsam unterrichtet werden. Erst danach entscheidet sich für die Schülerinnen und Schüler, ob sie den Real- oder den weiterhin bestehenden Hauptschulabschluss anstreben werden. Das Gymnasium bliebe von den Änderungen unberührt.

Zwei Abschlüsse unter einem Dach

Freiwilliges Angebot an Haupt- und Realschulen

Die Verschmelzung von Haupt- und Realschulzweigen zur Mittelschule soll auf freiwilliger Basis stattfinden, wobei 58 hessische Schulen bereits Haupt- und Realschule unter einem Dach sind. Alle Mittelschulen sollen ein Ganztagsangebot bereitstellen. Ab dem Schuljahr 2011/2012 sollen in der Mittelschule alle Schülerinnen und Schüler in einer gemeinsamen Aufbaustufe von Klasse 5 bis Klasse 7 unterrichtet werden. Das sogenannte "Kompetenzfestellungsverfahren" in Klasse 7 soll über den weiteren Bildungsweg entscheiden. Laut Koch und Henzler kann allerdings auch die Aufbaustufe "schulformbezogen" organisiert sein, das heißt die alte Haupt- und Realschule widerspiegeln.

Die Hauptschule ist tot – Lang lebe der Hauptschulabschluss!

Ab Klasse 8 gabelt sich die Mittelschule in einen praxisorientierten Zweig, der zum Hauptschulabschluss führt, und einen "mittleren" Zweig, der auf den Realschulabschluss vorbereitet. Somit bliebe die Dreigliedrigkeit bei den Schulabschlüssen sehr wohl erhalten. Im praktischen Zweig sollen die Jugendlichen stärker auf eine Ausbildung vorbereitet werden. Unterricht soll teilweise bereits in beruflichen Schulen und den dortigen Werkstätten stattfinden und von Berufsschullehrern durchgeführt werden. Im mittleren Zweig hingegen wird zum Beispiel eine zweite Fremdsprache eingeführt, die bei Eignung den Wechsel ins Gymnasium möglich machen soll.

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Stimmen zur Schulreform
Die Ankündigungen der Landesregierung stießen auf ein geteiltes Echo: Zustimmung kam aus den Reihen der Koalition, harsche Kritik übten Opposition und GEW.

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Weiterführende Links
Hier finden Sie weitere Informationen zur aktuellen Entwicklung um die Reform der Mittelschule in Hessen.

 
 
 
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