Dr. Michael Drabe, 16.03.2010

Hessen: Neue Wege in der Fortbildung

Nach dem PISA-Schock stand das schulische Lehren und Lernen vor neuen Herausforderungen. Ende 2009 ist in Hessen ein neues Projekt zur digital gestützten Lehrerfortbildung in Mathematik und Naturwissenschaften gestartet.

Vor fast zehn Jahren erlebte die deutsche Schullandschaft ein bildungsdidaktisches Erdbeben, auf das nicht nur in den wissenschaftlichen Publikationen regelmäßig Bezug genommen wird, sondern das auch in Wochenzeitschriften und überregional erscheinenden Tageszeitungen zu vielen Überschriften und die Bildungspolitik anklagenden Kommentaren führte.

Der Ursprung: Die erste PISA-Studie

Die Presse greift das Thema Bildung auf

Einige Beispiele aus dieser Zeit: "Die Schule brännt" (Die Zeit 50/2001), "Ein lehrreiches Desaster" (Die Zeit 50/2001), "Bringt Teamgeist in die Klassenzimmer" (Die Zeit 52/2001), "Sind deutsche Schüler doof?" (Der Spiegel 50/2001), "Was sich am Gymnasium abspielt, ist frühindustrielle Produktion" (Frankfurter Rundschau 290/2001), "Wie das Schulsystem die sozial Schwachen behandelt, ist ein Skandal" (Frankfurter 296/2001) – und etliche mehr.

TIMMS: Ein erster Warnschuss

Natürlich ging es um das "Programme for International Student Assessment", kurz PISA. Doch bereits 1998 schreckte eine andere Studie die deutsche Bildungsszene auf: Third International Mathematics and Science Study (TIMSS). Dieser weltweit durchgeführte Schülertest bescheinigte den deutschen Oberstufenschülerinnen und -schülern miserable Noten in Mathematik und Physik. Doch diese Ergebnisse fanden nur bei den Bildungsverantwortlichen aus Politik, Universität und Fort- und Weiterbildungseinrichtungen Beachtung.

PISA schlägt hohe Wellen

Die hohe Aufmerksamkeit für die PISA-Ergebnisse lag in den untersuchten Fragestellungen: Sind die Schülerinnen und Schüler gut vorbereitet für die Herausforderungen der Zukunft? Sind sie in der Lage, ihre Ideen und Vorstellungen effektiv zu analysieren, zu begründen und zu kommunizieren? Verfügen sie über die notwendigen Kompetenzen für lebensbegleitendes Lernen?

Das Urteil der Studie

"Deutsche Schülerinnen und Schüler verstehen Texte schlechter als ihre Altersgenossen in fast allen anderen vergleichbaren Nationen. Auch in den Naturwissenschaften und der Mathematik liegt ihr Können klar unter dem internationalen Durchschnitt. Kein anderes Industrieland zählt prozentual so viele Bildungsverlierer wie Deutschland. Das mathematische Können von fast einem Viertel der 15-Jährigen liegt auf Grundschulniveau." So lauteten die vernichtenden Urteile der OECD-Studie.

Herausforderungen der Schule = Herausforderungen an die Fortbildung

Methodenrepertoire wird benötigt

Die Veränderungen in Wissenschaft, Wirtschaft, Technik, Gesellschaft und Kultur stellen neue Anforderungen an die Schule und erfordern Weiterentwicklungen in allen Bereichen des schulischen Lehrens und Lernens. Die eher fachliche Ausbildung der Lehrerschaft ist um eine systematische didaktisch-methodische Weiterbildung zu ergänzen. Neben erzieherischer Kompetenz, Kooperationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Medienkompetenz benötigt die Lehrerschaft ein umfassendes Methodenrepertoire für einen abwechslungsreichen und anspruchsvollen Unterricht für Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Leistungsstärke.

Lehrerfortbildung: Eine tragende Säule

Die Lehrerfortbildung unterstützt die Lehrkräfte bei der Bewältigung der vielfältigen Anforderungen des Schulalltags und ist eine der tragenden Säulen der Personal-, Organisations- und Unterrichtsentwicklung der Schulen. Sie findet nicht primär in externen Einrichtungen, sondern schulintern statt und orientiert sich damit zeitlich wie örtlich nah an den realen unterrichtlichen Bedürfnissen und Anwendungszusammenhängen.

Lehrkräfte sind selbst für Fortbildung verantwortlich

In Hessen ist die Fortbildung im hessischen Lehrerbildungsgesetz verankert. Demzufolge sind die Lehrkräfte verpflichtet, ihre berufsbezogene Grundqualifikation zu erhalten und weiterzuentwickeln. Über die Wahl der hierfür geeigneten Fortbildungsangebote entscheiden die Lehrkräfte in eigener Verantwortung. Die Schule legt als Teil des Schulprogramms in einem Fortbildungsplan die schulbezogenen Qualifizierungsanforderungen fest. Der Fortbildungsplan berücksichtigt sowohl Entwicklungsschwerpunkte des Schulprogramms als auch die Bewertung der Qualifizierungsportfolios durch die Schulleitung.

Ein Budget für Fortbildungen

Das Institut für Qualitätsentwicklung (IQ) unterstützt die Qualitätsentwicklung der Schulen durch die Akkreditierung von Fortbildungs- und Qualifizierungsangeboten zum Erhalt und zur Erweiterung der berufsbezogenen Qualifikationen. Zur Umsetzung des Fortbildungsplans steht der Schule nach Maßgabe des Haushaltsgesetzes ein Fortbildungsbudget zur Verfügung.

Zentrales Element Qualifizierungsportfolio

Die Lehrkräfte dokumentieren die von ihnen wahrgenommenen Fortbildungen und Qualifizierungen sowie auf Wunsch weitere die Berufslaufbahn fördernde Kompetenzen in einem Qualifizierungsportfolio, das sie auf Anforderung der Schulleitung vorlegen. Die Auswertung der Qualifizierungsportfolios ist Bestandteil von Mitarbeitergesprächen. Die Teilnahme an akkreditierter Fortbildung wird im Qualifizierungsportfolio durch eine Bescheinigung des Trägers über Inhalte, Zeitumfang und Erfolg der Fortbildung nachgewiesen.

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